Papst Leo XIV an den Malteserorden: Nächstenliebe muss in Evangelisierung und Glauben verwurzelt sein

Papst Leo XIV hat dem Souveränen Malteserorden eine klare und eindringliche Botschaft übermittelt: Der Dienst an den Armen müsse untrennbar mit der Verkündigung des Evangeliums verbunden sein. In seiner Ansprache am 24. Juni 2025, dem Hochfest des heiligen Johannes des Täufers und Patrons des Ordens, dankte der Papst den Mitgliedern für ihren weltweiten Einsatz, besonders in Krisengebieten, betonte jedoch, dass „ohne Evangelisierung die Nächstenliebe zur bloßen Philanthropie wird“.

Am Vortag seines Schreibens traf sich der Papst mit Großmeister Fra’ John Dunlap. Dunlap steht dem Laienorden vor, der völkerrechtlich auch als souveräne Körperschaft anerkannt ist.

Die geistliche Identität des Ordens bekräftigen

Der Papst bekräftigte den doppelten Grundauftrag des Ordens: tuitio fidei (Schutz des Glaubens) und obsequium pauperum (Dienst an den Armen). Eine Trennung dieser Aufgaben, warnte er, könne dem Orden sein religiöses Wesen nehmen. Wer den Armen helfe, müsse ihnen zugleich die Erfahrung von Gottes Liebe ermöglichen.

Papst Leo forderte die Verantwortlichen, insbesondere den Ersten Stand, zu persönlicher Umkehr auf und rief sie dazu auf, ihr inneres Leben durch Gebet und geistliche Unterscheidung zu vertiefen. Er begrüßte die Rückkehr zu Wohnnoviziaten und das wachsende Verlangen vieler Mitglieder, wieder in Gemeinschaft zu leben.

Geistliche Formung vor formalen Strukturen

Bei aller Anerkennung jüngster Rechtsreformen erinnerte der Papst den Orden daran, dass geistliche Erneuerung wichtiger sei als rein struktureller Wandel. Eine solide Ausbildung, vor allem der Ausbilder selbst, müsse in Gebet, Stille und Dienst verankert sein.

Die Komplexität des modernen Lebens, so betonte er, verlange ein umso stärkeres Fundament geistlicher Disziplin. Ohne inneres Wachstum blieben rechtliche oder institutionelle Neuerungen hohl. Wahre Erneuerung beginnt im Herzen, genährt von der Gnade und geformt von Demut.

In der Welt bleiben, aber nicht von ihr sein

Papst Leo warnte vor der Illusion weltlicher Macht und erinnerte den Orden daran, dass Titel und Einfluss nicht seine Stärke seien. Wahre Kraft liege im demütigen Zeugnis für Christus durch glaubensgeprägten Dienst an den Armen. Wer sich auf Ansehen oder politische Positionen stütze, könne den Auftrag des Ordens verfälschen. Stattdessen rief er zu ständiger Unterscheidung auf, um im Umgang mit einer säkularen Welt dem Evangelium treu zu bleiben.